DORAEMON

Hauptleserschaft der kodomo manga sind Grundschüler. Ab 1970 versetzte die Serie Doraemon des Zeichnerteams Fujiko Fujio (Fujimoto Hiroshi und Abiko Motoo) japanische Kinder in Begeisterung: Die kleine Roboterkatze Doraemon tauchte mit riesigen Infrarot-Kulleraugen, einem Glöckchen um den Hals, einem Atomreaktor in der Brust und einem Bauchbeutel der vierten Dimension am Neujahrsmorgen aus der Schublade des nichtsahnenden kleinen Nobi Nobita auf. Familie Nobi ist die Durchschnittsfamilie Japans schlechthin: Die Mutter versorgt den Haushalt, der Vater arbeitet als Angestellter in einer Großfirma, der nicht besonders intelligente, faule Nobita besucht die Grundschule, wo er von seinen Mitschülern kräftig gehänselt wird. Angesichts des weinerlichen Schlappschwanzes Nobita schickte sein Ururenkel seine Roboterkatze Doraemon aus der Zukunft zu Nobita in die Vergangenheit, um den weiteren Werdegang der Familie vor größerem Unglück zu bewahren. Seit dem Zeitpunkt des Auftauchens aus der Schublade bewegt sich Doraemon an der Seite Nobitas und versucht, ihm anhand aller nur denkbaren technischen Gerätschaften jeden Wunsch zu erfüllen. Zu seinem Repertoire zählen wichtige Instrumente wie der take koputa ("Bambus-Propeller"), ein Propeller, der zum Fliegen am Kopf befestigt wird, ein taimu terebi ("Zeitfernseher", von engl.: time televi[sion]), mit dem man in die Vergangenheit und in die Zukunft schalten kann, oder ein kompyuta penshiru ("Computer Stift", von engl.: computer pencil), ein Stift, der alle Aufgaben selbst löst. Bei sachgemäßer Anwendung könnten alle Probleme Nobitas aus derWelt geschafft werden. Doch leider verliert Doraemon oft selbst den Überblick darüber, ob es überhaupt sinnvoll ist, diese Geräte einzusetzen: Weil Nobita vor einem Test Angst hat, schlägt Doraemon ihm vor, die Schule mit einem starken Ventilator hinwegzufegen. So enden viele Episoden damit, daß die beiden alle Hände voll zu tun haben, die Folgen, die durch den Einsatz der Gerätschaften hervorgerufen werden, zu vertuschen. Selbst wenn die Technik aus einer brenzligen Situation befreit, löst sie ein Problem doch nur für den Augenblick. So bleiben die Figuren in ihren Rollen haften, und die Serie lebt von der Spannung, die die Diskrepanz zwischen den technisch perfekten, effektiven Geräten und der Dumrnheit und Verspieltheit Nobitas und Doraemons birgt. Die Serie wurde in über vierzig Bänden mit einer Gesamtauflage von rund hundert Millionen Exemplaren verkauft. Daß nicht nur Kinder begeisterte Anhänger von Doraemon sind, zeigt die Kokusai Doraemon Gakkai ("Internationale wissenschaftliche Doraemon-Gesellschaft"), die beispielsweise den Band Doraemon no tetsugaku (eigentlich: "Die Philosophie Doraemons", hier aber mit den Schriftzeichen für "Die Wissenschaft des Eisens des Doraemon") veröffentlichte, in dem über mögliche Funktionsweisen der Geräte gefachsimpelt wird.


Zurück zur Leitseite